Über Vorbilder, Vorurteileund positive Veränderungen in der Informatik

Ein Interview mit Studentin Pia Schäfer

Den Weltfrauentag haben wir dieses Jahr zum Anlass genommen, eine unserer Kolleginnen und Studierende der Informatik nach ihrem Alltag im Studium und bei der Arbeit zu fragen. Werkstudentin, Pia Schäfer, hat sich die Zeit genommen und uns ein paar aufschlussreiche Antworten gegeben.

Foto: Pia Schäfer

 

Pia, stell dich doch eben vor: Wer bist du und was sind deine Aufgaben bei DAASI International

Ich heiße Pia Schäfer, bin 25 und studiere im Master Informatik an der Uni Tübingen. Bei DAASI International bin ich seit 2016 als Werkstudentin tätig. Zu meinen Aufgaben gehören das Softwaretesten und – zusammen mit den anderen Mitarbeiter*innen des Hosting-und-Support-Teams – die Wartung der Systeme, um sicherzustellen, dass alle Systeme problemlos laufen und meine Kolleg*innen so immer ungehindert arbeiten können. Außerdem helfe ich beim Kunden-Support aus, wo ich kann.

Wie kamst du zur Informatik?

Ursprünglich wollte ich Mathematik studieren, da mich das Fach schon immer sehr interessiert hatte. Als mein Freund mit seinem Informatikstudium begann, bin ich als Gasthörerin mit an die Uni gekommen und habe mich dann schnell dazu entschieden, selbst auch Informatik zu studieren – und dabei bin ich dann auch geblieben. (lacht)

Hast du Vorbilder im Bereich der Informatik?

Nein, denn tatsächlich war ich nie der Typ, der sich Vorbilder in anderen sucht. Stattdessen war meine Devise schon immer, zu überlegen wo meine eigenen Stärken liegen und wie ich diese am besten einsetzen und mich mit ihnen weiter verbessern kann. Grundsätzlich finde ich es aber sehr gut, dass es inzwischen vor allem auch mehr weibliche Vorbilder in der Informatik gibt. So ist mir zum Beispiel bei meinem Studium aufgefallen, dass mit der Zeit immer mehr Professorinnen und Dozentinnen die Vorlesungen oder Gastvorträge hielten. Auch in den Tutorien habe ich bemerkt, dass ich zu Beginn fast ausschließlich männliche Tutoren hatte, während nun einige Tutorien von Frauen geleitet werden. Selbst in der Geschäftswelt sieht man den Umschwung: Viele IT-Firmen, insbesondere im Open-Source-Bereich, haben inzwischen weibliche CEOs, was früher auch bei weitem nicht so häufig vorkam.

Für wie wichtig hältst du es generell, überhaupt ein Vorbild des gleichen Geschlechts haben zu können? Spielt weibliche Repräsentation in den MINT-Berufen deiner Meinung nach eine große Rolle?

Obwohl ich persönlich keine Vorbilder habe, finde ich es sehr wichtig und gut, dass es sie gibt. Hier bin ich selbst auch sehr dankbar für all die Frauen, die den Weg durch ihre Arbeit freigemacht und es so letzten Endes auch mir ermöglicht haben, mir meinen Wunsch einer Informatikkarriere zu erfüllen.

Klar, habe ich an der Uni meinen Freundeskreis, der auch bunt gemischt ist und da ich mit meinem Partner gemeinsam studiere, hatte ich auch immer Rückendeckung, aber ich fühle mich einfach wohler in den Veranstaltungen, wenn auch ein paar andere Frauen anwesend sind, die vielleicht besser nachvollziehen können, warum ein unpassender Kommentar von einem Kommilitonen mich besonders aufregt. Ich glaube die stetig wachsende Repräsentation von Frauen in typisch männlichen Berufen normalisiert auch Frauen in der Branche – das funktioniert anders herum übrigens genauso, mit Männern die sich für traditionell als typisch weiblich erachtete Berufe entscheiden.

Du studierst derzeit in Tübingen im Master. Erzählst du uns etwas über deine Erfahrungen als StudentIN der IT?

Ich muss ganz ehrlich sagen, sowohl an der Uni als auch im beruflichen Umfeld begegnen mir immer wieder Menschen, die annehmen, ich wüsste weniger als meine männlichen Kommilitonen oder die mich schlichtweg nicht ernst nehmen, einzig aufgrund meines Geschlechts. Natürlich kann es auch immer mal wieder sein, dass ein Gegenüber mich nicht ernst nimmt, da ich noch relativ jung bin. Aber gerade an der Uni ist es schon öfter passiert, dass ich beim Vergleich von Aufgaben übergangen wurde und sofort das Ergebnis meines Partners herangezogen wurde, sogar wenn wir die Aufgaben gemeinsam bearbeitet hatten. Auch am Telefon merke ich, dass Frauen in der Regel den Grund ihres Anrufs nennen und dann fragen, ob ich helfen kann, während Männer oft direkt mit einem Kollegen verbunden werden wollen. Das mag auch daran liegen, dass sie den Kollegen aus einem Projekt bereits kennen, es fiel mir einfach schon häufiger auf und gab mir daher das Gefühl übergangen zu werden.

Generell lässt sich über das Studium sagen, dass sich die Verteilung der Geschlechter gerade jetzt in meinem Masterstudium doch sehr verändert hat. Am Anfang meines Bachelorstudiums, war der Anteil an Männern und Frauen noch recht ausgeglichen, was daran liegen mag, dass die Einführungsveranstaltungen oft zusammen mit den Medieninformatikern, Lehrämtlern, Mathematikern usw. stattfinden. Jetzt im Master kommen geschätzt dreißig Männer auf drei Frauen.

Hast oder hattest du das Gefühl, dich als Frau besonders beweisen zu müssen?

Das muss ich mit einem ganz großen JA beantworten. Oft komme ich nicht umhin, mir die Leute zu „schnappen“ und ihnen buchstäblich vorzuführen, dass ich wirklich fähig bin, eine Arbeit auszuführen und dabei auch wirklich Ahnung habe von dem was ich tue.

Es ist manchmal schon paradox. Einerseits werden mir die einfachsten Sachen immer wieder erklärt, auch wenn ich auf dem Gebiet schon mehr Erfahrung habe als mein Gegenüber, andererseits habe ich oft das Gefühl, dass von mir erwartet wird, Dinge sofort zu können und zu verstehen, ohne zuerst die Chance bekommen zu haben, mich wirklich damit auseinanderzusetzen.

Denkst du dabei gerade an eine bestimmte Situation?

Mir ist es schon passiert, dass ich zugeben musste, dass ich mir eine Aufgabe nicht zutraue, woraufhin ich mehrmals lautstark aufgefordert wurde, die Aufgabe trotzdem auszuführen. Das ging soweit bis ein weiterer Kollege einschritt, um nochmal deutlich zu sagen, dass es keinen Sinn macht, mir eine Aufgabe zu geben, die ich gar nicht allein bewältigen konnte. Ich habe daraus gelernt, dass man insbesondere als Frau selbstbewusst auftreten und den eigenen Standpunkt deutlich machen muss, damit alle Beteiligten zu einem sinnvollen Ergebnis gelangen.

Ich unterhalte mich auch oft mit Freundinnen, die mit mir studieren oder schon eine Weile Vollzeit arbeiten. Auch ihnen kommen die bereits geschilderten Szenarien sehr bekannt vor.

Wie bist du zu DAASI International gekommen?

Ein persönlicher Kontakt hat mir die Firma empfohlen und ich habe mich beworben. Durch diverse Vorträge und Veranstaltungen an der Uni, an denen DAASI International beteiligt war, kannte ich die Firma auch bereits aus dem akademischen Kontext.

Was gefällt dir an deiner Arbeit besonders?

Wie bereits erwähnt, schätze ich es sehr, dass meine Kolleg*innen mich nicht anders behandeln, weil ich eine Frau bin. Alle sind stets hilfsbereit und ich weiß auch, dass meine Arbeit von ihnen geschätzt wird. Und ich schätze wiederum sehr, dass ich die gelernte Theorie aus dem Studium hier direkt anwenden kann.

Möchtest du Mädchen und Frauen, die eine Karriere in einem MINT-Beruf anstreben, gerne etwas sagen?

Lasst euch nicht unterkriegen! Ihr wisst was ihr könnt, steht dazu! Auch wenn mal ein Fehler passiert, ist das kein Weltuntergang, denn jeder macht Fehler und das gehört auch zum Lernprozess dazu.

Gibt es etwas, das du zum Schluss noch etwas, dass du loswerden möchtest?

Ich hoffe, dass meine Antworten niemanden abschrecken. Generell habe ich nämlich sehr viele positive Erfahrungen in meiner noch recht kurzen (praktischen) IT-Laufbahn gemacht, die ich auf keinen Fall missen möchte. Mit unerfreulichen Auseinandersetzungen haben schließlich auch meine KollegEN umzugehen, die auch nicht immer vorurteilsfrei behandelt werden. Aber ich glaube insgesamt ist die Branche auf einem guten Weg, solche „Altlasten“ gänzlich abzulegen – und wie gesagt glaube ich auch, die in anderen Branchen bestehenden Vorurteile gegenüber Männern, langsam aber sicher verschwinden zu sehen.

Vielen Dank, Pia, für das aufschlussreiche Interview und für deine Zeit.

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